AI und Digitalisierung verändern die Art, wie wir arbeiten, Entscheidungen treffen und Dienstleistungen erbringen. Mit der Schaffung der neuen Rolle des Senior AI & Data Governance Managers geht Congrex den nächsten Schritt, um einen strukturierten und verantwortungsvollen Umgang mit diesen Entwicklungen aufzubauen. Wir haben mit Frank Wächter darüber gesprochen, warum die Rolle geschaffen wurde, was Governance in der Praxis bedeutet und warum sie Innovation unterstützen und nicht verlangsamen sollte.
Frank, warum hat Congrex diese neue Rolle geschaffen – und warum gerade jetzt?
AI und Automatisierung entwickeln sich sehr schnell von ersten Experimenten hin zu einem festen Bestandteil des Arbeitsalltags. Heute kann praktisch jeder innerhalb kürzester Zeit ein neues AI-Tool testen, eine Aufgabe automatisieren oder Daten und Systeme miteinander verbinden.
Das schafft enorme Chancen, bedeutet aber auch, dass Fragen rund um Daten, Verantwortlichkeiten, Sicherheit und den richtigen Einsatz von Technologie viel früher berücksichtigt werden müssen.
Die neue Rolle trägt dieser Entwicklung Rechnung. Es geht darum, einen Rahmen zu schaffen, der Congrex dabei hilft, neue Technologien sicher und verantwortungsvoll einzusetzen, ohne die Dinge unnötig kompliziert zu machen.
Wie hat sich die Rolle aus dem Bereich Data Protection entwickelt?
Es handelt sich eigentlich eher um eine Weiterentwicklung als um ein völlig neues Thema.
In den vergangenen Jahren haben wir Data Protection bei Congrex zunehmend professionalisiert. Mit der schnellen Verbreitung von AI und neuen digitalen Tools wurde jedoch deutlich, dass der alleinige Blick auf Data Protection nicht mehr ausreicht.
Die Frage ist heute viel umfassender: Wie nutzen wir als Unternehmen Daten, AI, digitale Tools und Automatisierung verantwortungsvoll und effektiv?
Dazu gehören Data Protection, aber ebenso der geschäftliche Zweck, Verantwortlichkeiten, Anbieter, Sicherheit, Prozesse und letztlich die Frage, ob eine Lösung für Congrex tatsächlich sinnvoll ist.
Was bedeutet AI & Data Governance im Arbeitsalltag?
In der Praxis beginnt es häufig mit einer sehr einfachen Frage: Was möchten wir eigentlich erreichen?
Jemand hat beispielsweise eine Idee für eine AI-Lösung, ein neues Tool oder eine Automatisierung. Bevor wir sie umsetzen, sollten wir verstehen, welches Problem damit gelöst werden soll, welche Daten verwendet werden, wer dafür verantwortlich ist und ob die gewählte Lösung wirklich die richtige ist.
Das Ziel ist, für solche Fragen klare und wiederholbare Prozesse zu schaffen, anstatt die gleiche Entscheidung jedes Mal neu treffen zu müssen.
Dadurch wird es auch für die Mitarbeitenden einfacher: Sie sollten wissen, wohin sie sich mit einer Idee wenden können, wann eine Prüfung erforderlich ist und wo sie Unterstützung erhalten.
Besteht bei Governance nicht die Gefahr, Innovation zu verlangsamen?
Das kann passieren – wenn Governance zu spät einbezogen wird oder unnötig bürokratisch wird.
Genau das möchten wir vermeiden.
Für mich bedeutet gute Governance, früh genug eingebunden zu sein, um dabei zu helfen, eine praktikable Lösung zu finden. Es geht nicht darum, zu jeder neuen Idee „Nein“ zu sagen. Es geht darum, frühzeitig die richtigen Fragen zu stellen, damit wir größere Probleme nicht erst entdecken, nachdem eine Lösung bereits eingeführt wurde.
In diesem Sinne sollte Governance es sogar einfacher machen, Innovation erfolgreich zu skalieren. Governance bedeutet nicht, Fortschritt zu verhindern. Es geht darum, die Voraussetzungen für verantwortungsvollen Fortschritt zu schaffen.
Warum ist das gerade für Congrex besonders wichtig?
Congrex arbeitet mit einer großen Menge an Daten von Verbänden, Kongressen, Teilnehmenden, Kunden und Partnern. Gleichzeitig umfasst unsere Arbeit zahlreiche Plattformen, externe Anbieter, Registrierungssysteme, Kommunikationstools und zunehmend auch AI und Automatisierung.
Für unsere Kunden sollte Technologie nicht einfach nur funktionieren. Sie müssen auch darauf vertrauen können, wie sie eingesetzt wird und wie mit ihren Informationen umgegangen wird.
Damit wird Governance zu einem Bestandteil unserer Servicequalität. Richtig umgesetzt kann sie uns dabei helfen, unnötige Tools zu vermeiden, Verantwortlichkeiten zu klären, doppelte Lösungen zu verhindern und bessere Technologieentscheidungen zu treffen – und gleichzeitig das Vertrauen zu stärken, das unsere Kunden in Congrex setzen.
Du bist aus dem Digital Marketing in diese Rolle gewechselt. Beeinflusst dieser Hintergrund deine Herangehensweise?
Auf jeden Fall.
Digital Marketing hat mir beigebracht, sehr praktisch zu denken: Lösungen müssen funktionieren, Menschen müssen sie verstehen und letztlich müssen sie ein konkretes Geschäftsziel unterstützen.
Diese Perspektive ist auch für Governance sehr hilfreich. Governance darf nicht nur auf dem Papier oder aus einer rein rechtlichen Perspektive existieren. Sie muss im Arbeitsalltag funktionieren.
Für mich ist die Entwicklung deshalb sehr logisch: von der digitalen Umsetzung über eine zunehmende Verantwortung für Daten hin zur umfassenderen Governance von digitalen Systemen und AI.
Wie würde Erfolg für dich aussehen?
Auf jeden Fall nicht die Anzahl der Richtlinien, die wir erstellen.
Für mich geht es darum, gute Ideen auf die richtige Weise voranzubringen, mit den richtigen Menschen, den richtigen Tools und einem klaren Ziel. In vielerlei Hinsicht entspricht genau das auch unserem Progress Spirit: neue Möglichkeiten aufzugreifen und daraus intelligente, verlässliche Lösungen zu entwickeln.
AI und Technologie werden sich weiterentwickeln, deshalb wird Governance niemals ein abgeschlossenes Projekt sein. Das Ziel ist, Prinzipien und Prozesse zu schaffen, die sich gemeinsam mit ihnen weiterentwickeln können und es Congrex ermöglichen, von Innovation zu profitieren und gleichzeitig verantwortungsvoll, effizient und vertrauenswürdig zu bleiben.




